Zur Geschichte der ISST
von Martin Kalff

Dora Maria Kalff (1904 – 1990), jungsche Psychologin und Schülerin von Margaret Lowenfeld hatte in den späten fünfziger Jahren die therapeutische Methode, die sie „Sandspieltherapie“ nannte, entwickelt. Sie basiert auf der Grundlage der Tiefenpsychologie von C.G. Jung und der „Welttechnik“ (World Technique), die durch Margaret Lowenfeld um 1928 entwickelt worden war. Margaret Lowenfeld war eine innovative Kinderärztin und Begründerin einer der ersten psychologischen Kliniken in England. Sie entwickelte die klassischen Instrumente, die später durch die Sandspieltherapie übernommen worden sind: Einen mit Sand gefüllten Sandkasten sowie Miniaturen, die es ermöglichen, innere psychische Inhalte durch das Erschaffen einer dreidimensionalen Welt auszudrücken.

Indem Dora Kalff die beiden Methoden zusammenbrachte, schuf sie nicht nur ein Instrument, das für die Arbeit mit Kindern geeignet war, sondern sie brachte zur Jungschen Psychologie das Element Erde dazu und die Möglichkeit, sich auf eine physische Aktivität einzulassen, indem man Sand mit den Händen formt und gestaltet. Es handelt sich um eine Methode, die später auch mit Erfolg bei erwachsenen Klienten und Patienten eingesetzt wurde. Dora Kalff’s intensives Interesse an Östlicher Philosophie verbunden mit Studien derselben, insbesondere des Zen Buddhismus, des Tibetischen Buddhismus wie auch des Taoismus, führten zu einer vertieften Sichtweise der Gestaltungen im Sand wie auch der therapeutischen Haltung des Therapeuten/der Therapeutin. Ihr Buch „Sandspiel: Ein Psychotherapeutischer Zugang zur Psyche“, das 1966 zum ersten Mal herausgegeben wurde, gibt eine gute Einführung in die Methode, konzentriert sich aber vorwiegend auf die Therapie von Kindern.

Mit der Zeit entstand ein Bedürfnis, eine stärkere formelle Struktur für Studium und Praxis der Sandspieltherapie zu schaffen, um die Anwendung derselben zu schützen, zu entwickeln und auszubreiten. Aus diesem Grund entschloss sich am 13. August 1985 eine internationale Gruppe von Therapeuten/Therapeutinnen, die sich regelmässig im Heim von Dora Kalff in Zollikon traf, dort die Internationale Gesellschaft für Sandspieltherapie (ISST) zu gründen. Zu den 14 Gründungsmitgliedern gehörten Mitglieder aus der Schweiz ( Dr. med. Kaspar Kiepenheuer, Dr. phil. M. Kalff), Italien (Dr. Paola Carducci, Dr. Andreina Navone), England (Joel Ryce Menuhin, M. phil), Amerika (Kay Bradway Ph.D, Estelle Weinrib MSW, Chonita Larson Ph.D, Cecil Burney) und Japan (Prof. Dr. Hayao Kawai Ph.Dd, Prof. Yasuhiro Yamanaka MD, Prof. Kazumiko Higuchi, D. Min). Im folgenden Jahr wurde Sigrid Löwen Seifert, eine jungsche Kindertherapeutin für Kinder und Jugendliche, in den Kreis der Gründungsmitglieder der ISST aufgenommen. Der grösste Teil der Gründungsmitglieder waren jungsche Analytiker.

Es ist eine einzigartige Eigenschaft der ISST als einer professionellen Organisation von Therapeuten/Therapeutinnen, dass sie vom Anfang an vom gemeinsamen Enthusiasmus für diese Arbeit in verschiedenen Teilen der Welt profitieren konnte. So begann ein langer Weg der Entwicklung, der durch das Zusammenbringen von Erfahrungen aus einer Vielfalt von kulturellen Umgebungen geprägt wurde. Auf diese Weise kann die Geschichte der ISST auch als Zeugnis für eine archetypisch begründete gemeinsame Wesensgrundlage gesehen werden, die hilft, kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

Die ISST definierte sowohl Richtlinien für eine Ausbildung in Sandspieltherapie wie auch Anforderungen für lehrende Mitglieder der ISST, um die hohe professionelle Qualität der Arbeit zu bewahren. Gleichzeitig schuf sie ein internationales Forum für einen fortgesetzten Austausch von professioneller Erfahrung mit der Sandspieltherapie.

So kam es dazu, dass die Jahre, die auf die Gründung der Gesellschaft folgten, durch regelmässige internationale Kongresse der wachsenden Mitgliedschaft in den verschiedensten Teilen der Welt geprägt wurden. Bis nach Japan fiel die Sandspieltherapie auf einen fruchtbaren Boden, denn es scheint, dass sie sehr gut der asiatischen Mentalität entspricht.

Zwei internationale Kongresse haben in Japan stattgefunden. Weitere Kongresse gab es in Italien, England, Deutschland, Amerika, Kanada und in der Schweiz. Als Frucht der Anstrengungen der ISST und der unermüdlichen Arbeit von Dora Kalff folgten die Gründungen von vielen nationalen Gesellschaften, was es ermöglichte, den unterschiedlichen nationalen Eigenheiten entsprechend geeignete Strukturen zu schaffen.